Klassisches Fechten in Passau

 

1. Einleitung                                                                                                         

1.1

Geschichtliches

Die Zeit der Ritter ist vorbei. Schießpulver verdrängt Schwert und Harnisch.

Rüstungen verlieren an Bedeutung, die Waffen werden leichter und eignen sich somit besser zum Stoßen als zum Schlagen. Mit den leichteren Waffen kann viel schneller gefochten werden, alsbald entwickelt sich eine spezielle Art der Waffenführung. 

Um 1650 ist die Fechtkunst bereits hoch entwickelt, Fechtmeister mit kaiserlichen Privilegien reisen durch die Lande und unterrichten Adel und Bürger. Bekannt waren die Marx-Brüder und die Freifechter von der Feder. 

Zwischen 1700 und 1900 erleben Duellwesen und die Fechtkunst ihre Blütezeit.  Wie ein roter Faden zieht sich das Duell durch die Jahrhunderte und hat  maßgeblich die Fechtkunst beeinflusst. Die damals erarbeiteten Techniken gelten weitgehend noch heute und werden mit der klassischen Fechtkunst  weitergeführt.

1.2

Warum Fechten 

Fechten bietet Erholung, Entspannung, Kameradschaft, Spaß und Erfrischung des Geistes und der Seele. Fechten stärkt Werte wie Ehrlichkeit und Genauigkeit.  Fechten fördert Schnelligkeit, Training des Geistes und des Körpers. Erzielt werden eine bessere Koordination, eine Stärkung des Gleichgewichts, der Flexibilität, der Festigkeit, der Ausdauer und des Muskelaufbaus.  Fechter erhalten in hohem Maße den eigenen Körper fit. 

Fechten ist kein Massensport und  wird es auch niemals werden. Fechten ist eine Kunst - Nervenkitzel ohne Risiko. Der elegante Sport in Weiß. 

2. Klassisches Fechten 

2.1

Was ist klassisches Fechten? 

Klassisches Fechten ist eine Kampfkunst mit dem Degen und Florett - kein Leistungssport. Zu betonen ist, das Fechten nicht als militärische Handlung zu verstehen ist. Der klassische Fechter beschäftigt sich nicht mit der Verwendung des Schwertes der Soldaten im Kriege, sondern er verwendet den Degen als zivile Waffe zur Selbstverteidigung auf der Straße oder im Duell. 

Klassisches Fechten basiert auf den Erfahrungen von über 300 Jahren Duellfechtkunst. Angewendet werden Fechttechniken vor 1900. Klassisches Fechten darf nicht verwechselt werden mit olympischem Sportfechten (elektrisches Fechten), szenischem Fechten oder historischem Fechten. 

Klassisches Fechten ist eine Kampfkunst, basierend auf den Techniken des europäischen Duells. Der klassische Fechter ist bestrebt, eine "offene Begegnung" möglichst so zu simulieren, als wenn ein Kampf mit scharfen Waffen stattfinden würde. Er geht grundsätzlich davon aus, das die Waffen geschliffen und spitz sind.  

Der Leitsatz des klassischen Fechtens heißt: "Treffen, ohne selbst getroffen zu werden". Der klassische Fechter bekennt sich zu Höflichkeit, Ehre, Genauigkeit, Technik und Ästhetik; er betrachtet Fechten nicht als Leistungssport (obwohl es sich um eine sportliche Tätigkeit handelt), sondern als Kunst. So ist es sein Ziel, eine ideale Körperhaltung, Gleichgewicht, Proportion, Klarheit der Fechtaktionen und Disziplin zu verkörpern. Klassisches Fechten ist die Rückbesinnung in eine Zeit, in der die Straßen unsicher waren und Adel und Studententum oftmals ihre Ehre zu verteidigen hatten. Klassisches Fechten kann von Personen jeder Altersgruppe ab ca. 12 Jahren betrieben werden. 

Die Waffen sind i.d.R. Florett und Degen, selten Säbel. Der klassische Fechter legt Wert auf geistigen und seelischen Ausgleich, Form und Klarheit der Aktionen.Vor diesem Hintergrund wird das wettkampmäßige Fechten - besonders mit einer elektrischen Trefferanzeige - abgelehnt. Verwendet werden nur Waffen mit klassischen Gefäßen (italienische oder französische Griffe).  Ein Treffer muss deutlich und klar aufkommen, z. B. durch sichtbares Biegen der Klinge oder wirklicher Wahrnehmung des Treffers. Berührungen mit der Waffe - gar nur an einer Falte der Kleidung, werden  nicht akzeptiert bzw. als Treffer gewertet. 

Traditionell sagt der klassische Fechter einen erhaltenen Treffer an. "Touché" - was so viel bedeutet wie "ich wurde berührt". Der Fechter erkundigt sich nicht bei seinem Gegner, ob er getroffen wurde. Selbst wenn der Gegner einen Treffer ansagt, der Angreifer aber meint, nicht wirklich getroffen zu haben, darf er den zugegebenen Treffer nicht für sich in Anspruch nehmen. "Pas de touché" - was so viel bedeutet: nicht einen Hauch. Die bereits zitierte Ehrlichkeit, Ritterlichkeit und Höflichkeit gibt ein Bild vom Charakter des Fechters wieder. Er ist sich selbst verantwortlich. 

Gerade in der heutigen Zeit, in der niemand mehr Verantwortung übernehmen möchte, fördert das klassische Fechten die Sinne für Mut und Ehrlichkeit. Ego und Ehre! Ego - was immer ich tue, ist richtig. Honour - was richtig ist, werde ich tun. 

Mit der Kreuzung der Klingen beginnt ein Drei-Stufen-Prozess: Informationsbeschaffung, Entscheidungsfindung, Handeln. Ein Sprichwort sagt: Angriff ist die beste Verteidigung, aber ein erfahrener Fechter weiß: dem ist nicht unbedingt so. Wer garantiert, dass zum Zeitpunkt des Angriffs nicht auch der Gegner im selben Moment angreift?  Nur wer pariert, schützt sich vor einer Wunde. Somit liegt der Schwerpunkt des fechterischen Handelns nicht ausschließlich im Setzen eines Treffers, sondern in der Abwehr (Parade), welche die eigene Verwundung verhindert. Demnach sind  Angriff und Verteidigung nicht dasselbe.   

2.2

Die Waffen

Zum Erlernen und Üben werden Florette mit ital. oder franz. Griff verwendet. Die Klingen müssen an der Spitze gestaucht sein. Aufgeschraubte stumpfe Spitzen, sog. Arretspitzen, sind nicht zugelassen. Der Durchmesser der Glocke bzw. des Stichblattes beträgt ca. 11 cm.

Für das nachgestellte Duell - das sog. Freigefecht, wird der Degen verwendet. Es sind nur italienische bzw. französische Griffe zugelassen. Die Klingen sind wie beim Florett an der Spitze gestaucht. Der Glockendurchmesser darf 13 cm nicht übersteigen, die Klinge ist wie beim Florett zentrisch mit der Glocke verbunden. Exzentrische Glocken (wie beim elektrischen Sportfechten) sind nicht zugelassen und daher nur im Ausnahmefalle zu verwenden (Materialbeschaffungsprobleme). 

                                                                                      

Klassisches Fechten Passau

 

Regeln für Übung und Freigefecht

 

 

Regel

Anmerkung

Gruß

vor und nach dem Gefecht ist der Gegner, die Sekundanten und der Unparteiische mit der Waffe zu grüßen. Nach dem Gefecht ist zusätzlich der Gegner mit Handschlag (unbewaffnete Hand) zu verabschieden.

 

Waffengang

Treffen, ohne selbst getroffen zu werden.

Der Fechter hat es zu unterlassen, eine Fechthandlung vorzunehmen, bei der er sich selbst bewusst der Gefahr eines Treffers aussetzt. Verboten sind:

Peitschenartige Stöße, Fleché bzw. auf den Gegner zurennen, sprechen während des Waffenganges, Waffenwechsel (rechts-links) während des Gefechts,

das Nachstoßen/Schlagen nach einem erhaltenen Treffer.

Die Fechter gehen davon aus, dass die Waffen scharf bzw. spitz sind und keine

Schutzkleidung getragen wird. Das allgemeines Verhalten auf dem Kampfplatz und die Fechtweise sind auf diese Annahme abzustellen.

Fechtweise

"Linke Hand"  und andere Aktionen

der Einsatz der unbewaffneten Hand zur Parade und Abstützung auf dem Boden (Passata di Sotto)  ist erlaubt.

Wenn beide Fechter einverstanden sind:

der Hieb, jedoch ausschließlich nach einer Parade, ist gestattet.

Körper an Körper, Herumstochern ohne Linie, Hopsen und Herumspringen auf dem Fechtboden ist nicht gestattet.

Entwaffnungen sind erlaubt, sofern es sich um hebelartige Entwaffnungen handelt. Gewalt mit Schmerz ist verboten.

Der Fechter setzt sich zum Ziel, saubere, ästhetische und technisch hochwertige Fechthandlungen durchzuführen.

 

Die Fechter sind ermächtigt, Sondervereinbarungen für Hieb, Entwaffnung und Waffenverlust zu treffen. Der Unparteiische muss solche Vereinbarungen erlauben.

Trefferanzeige

Jeder Fechter/in ist eine Ehrenperson und sagt Treffer sofort nach Erhalt mit dem Wort "Treffer" oder "Touché" an. Zusätzlich ist die unbewaffnete Hand zu heben.

Anzusagen sind nur Treffer, bei denen es zu einer Klingenbiegung kommt oder die als solche tatsächlich wahrgenommen werden.

 

Angelegte Klingen, Treffer, die ausschließlich in der Fechtkleidung hängen bleiben, Berührungen mit der Spitze und/oder Schneide, die nicht wahrgenommen werden und Schläge mit der Spitze sind keine Treffer und brauchen nicht angesagt werden.

Ist sich der Fechter nicht sicher, ob er einen Treffer tatsächlich erhalten hat, ist er berechtigt, seine Sekundanten zu befragen um anschließend eine Trefferbeurteilung verbindlich abzugeben.

Trefferanzahl

 

Trefferbeurteilung

 

Trefffläche

 

Das Gefecht endet:

1. durch einen Treffer auf den Oberkörper (einschließlich Leiste) und Kopf.

2. nach dem insgesamt 3. Treffer auf  Extremitäten.

3. Wird ein Treffer nach einem Arm/Hand/Fuß/Beintreffer durch Treffer (Nr. 1) gesetzt, endet das Gefecht; zuvor gesetzte Extremitätentreffer werden nicht gezählt.

4. Doppeltreffer werden als solche gewertet. Bei einem Doppeltreffer nach Nr. 1 haben beide Fechter eine Niederlage hinzunehmen.

 

Der gesamte Körper einschließlich des Kopfes gilt als Trefffläche - beim Üben, Lektionieren und im Freigefecht.

Der Fechter ist nicht berechtigt,

einen Treffer zu monieren bzw. nachzufragen, ob er getroffen hat.

 

Wenn der Gegner einen Treffer einräumt, der Angreifer aber der Ansicht ist, er habe nicht getroffen, darf er den eingeräumten Treffer nicht akzeptieren.

 

Das "Punkten", wie es beim elektrischen Sportfechten praktiziert wird, genügt nicht den Anforderungen des Fechtens mit scharfen Waffen. Es ist nicht erlaubt.

 

Die Fechter werden nicht nach Siegen beurteilt. Jeder Fechter hat nach dem Kampf für sich selbst zu entscheiden, wie es ihm im Ernstfalle ergangen wäre - ob er überlebt hätte bzw. Kampfunfähigkeit eingetreten wäre.

Klassisches Fechten wird in Passau nicht als Leistungssport betrieben.

Kampfgericht

 

Kampfleitung

 

 

Unparteiischer

Der Unparteiische leitet die offene Begegnung, das nachgestellte Duell.

 

Er hat das Gefecht zu unterbrechen, wenn dieses gefährlich oder unübersichtlich für ihn erscheint. Er unterbricht, wenn ein Treffer gefallen ist. Er entscheidet allein über die Gültigkeit des Treffers, wenn beide Fechter sich als getroffen bezeichnen.

Der Unparteiische hat bei Regelverstößen zu ermahnen und im Wiederholungsfalle den Fechter von den Kampfhandlungen auf Dauer auszuschließen.

Er prüft die Waffen und entscheidet, ob diese für das Freigefecht tauglich sind (Gewicht, Spitze, annähernd baugleich).

Kampfplatz

es wird kein Kampfplatz abgesteckt.

 

Die Fechter sind für die Beschaffenheit des Kampfplatzes/Bodens selbst verantwortlich.

Waffen

Florett

für Übung und Unterricht wird das handelsübliche Sportflorett verwendet. Gestattet sind nur italienische und französische Griffe. Die Klinge muss eine gestauchte Spitze aufweisen. Aufgeschraubte Spitzen jeglicher Art sind nicht erlaubt.

 

Offene Begegnung/Freigefecht/Duell

 

Degen + Hofdegen (Smalsword)/ital. Duelldegen

für die offene Begegnung, das nachgestellte Duell,  das sog. Freigefecht, werden ausschließlich Waffen mit Dreikantklingen verwendet. Der Durchmesser der Glocke/des Stichblattes/der Schale soll 13 cm nicht übersteigen. Waffen, deren Klinge zentrisch durch die Glocke/Stichblatt geführt wird, sind zu bevorzugen.

Das Gewicht der Waffe  für das Freigefecht sollte nicht unter 500 Gramm liegen.

Zugelassen sind nur italienische oder französische Griffformen; Pistolen- oder ähnliche Griffe sind nicht erlaubt.

Die Klingenspitze kann mit einer Schutzkappe (Gummi oder Plastik) oder einer Klebebandumwicklung "entschärft" werden.

 

 

 

Den Fechtern ist die Form und Ausführung der Waffe bzw. des Gefäßes freigestellt. Die Waffen sollten jedoch annähernd identisch sein. Parierstangen, Bügel und dergleichen sind grundsätzlich gestattet, sofern es sich um Repliken alter Waffen handelt. Fantasiegeräte sind nicht erlaubt.

 

Als Klingen werden handelsübliche Sportdegenklingen verwendet. Die Spitze muss gestaucht sein, aufgeschraubte Spitzen jeglicher Art sind nicht erlaubt.

Fecht-

kleidung

die Fechtkleidung ist entweder rein weiß oder entspricht einem kompletten Fechtmeisterschutzanzug.

Weiße Fechtbekleidung hat den höchsten Sicherheitsvorschriften (wie sie für das elektrische Sportfechten gelten), zu entsprechen.

 

 Sekundanten

Aufgaben der Sekundanten im Besonderen:

1. Vereinbarung mit der gegnerischen Partei über die Art des Waffenganges und die zur Anwendung kommenden Waffen

2. Vereinbarung über besondere Aktionen (z.B. Hieb, Parade mit der linken Hand, Entwaffnung u.ä.)

3. Beurteilung von Treffern nach Rückfrage des Fechters

4. Vor dem Kampf: Übergabe der Fechtmaske an den Fechter, nachdem dieser seinen Gegner mit der Waffe gegrüßt hat,

nach dem Kampf: Übernahme der Fechtmaske, damit der Fechter seinen Gegner ohne Maske grüßen im ihm die rechte Hand reichen kann.

5. Unterbrechung des Kampfes bei einer Notsituation - wenn der Unparteiische die Gefahr offensichtlich nicht erkannte - mit dem Ruf: Halt - Gefahr!


                                                                     

                                        Hofdegen           franz. Duelldegen   italienischer Duelldegen  franz. Duelldegen

                                        Galadegen                 mit Brille              Schalenrapier             Glockendegen

                                                                   

diese Waffen verwenden wir für die "freie Begegnung"

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3. Treffen der klassischen Fechter in Passau

 

Fechten – die offene Begegnung. Das nachgestellte Duell.

 

Alle Fechter, Damen und Herren, die mehr möchten als ein „Licht anmachen“, die ohne elektrische Trefferanzeige mit klassischen Waffen „duellieren wollen“, laden wir ein, zu unserem 3. „Tag der klassischen Fechtkunst“ nach Passau zu kommen.

 

Vormittag:    Üben mit dem Florett und Unterricht in klassischen Fechtaktionen,

Nachmittag: Zweikämpfe mit Sekundanten  (Hofdegen 18. Jh., französischer Duelldegen 19. Jh., ital. Duelldegen 18. Jh.)

 

Teilnahmeberechtigt:

 Akzeptiert werden alle Fechter(innen), die Interesse an der Kunst des Fechtens haben und nicht nur einen Treffer setzen wollen. Unser Leitsatz „Treffen, ohne selbst getroffen zu werden“ muß voll akzeptiert werden. Das Regelwerk für klassisches Fechten finden Sie auf unserer Homepage.

 

Termin:               Samstag, 12. Juni 2010

 

Ort:                            Passau, Jahnstraße 3 – Sportplatz des TV Passau 1862

                                   Gefochten wird im Freien, bei schlechtem Wetter in der Sporthalle

                                    Parkhaus unmittelbar neben dem Vereinsgebäude

 

Zeit:                            Beginn 10:00 Uhr, Ende ca. 16:00 Uhr

                                   Nach dem Fechten findet ein Erfahrungsaustausch bzw. eine

                                   gemütliche Runde mit Imbiss in unserem historischen Turm statt.

 

Teilnehmer                es können leider nur 16 Personen an der Veranstaltung teilnehmen .

                                   Zusagen erfolgen nach Eingang der Meldungen.

 

Meldegeld:                16,00 Euro (incl. Getränke).  Bitte Imbiss für Mittagstisch selbst

                                   mitbringen.

 

Ausrüstung:                siehe Internet (Regeln für klassisches Fechten). Waffen für die „Duelle“ werden ggf. gegen Leihgebühr zur Verfügung gestellt. Für Fechter, die wirklichkeitsnah fechten möchten: es stehen Waffen mit 3zackigen Fangspitzen zur Verfügung; eine Seltenheit in Deutschland – Fechten wie vor 70 Jahren.

 

Meldeschluss:        Samstag, 05. Juni 2010. Meldungen bitte nur über e-mail.

 

 

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Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am  16.02.2010