Klassisches Fechten in Passau

 Stoßfechten

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1. Einleitung                                         

                                                                                  Klassisches Fechten, unser Fechtlehrer

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1.1

Geschichtliches

Die Zeit der Ritter ist vorbei. Schießpulver verdrängt Schwert und Harnisch.

Rüstungen verlieren an Bedeutung, die Waffen werden leichter und eignen sich somit besser zum Stoßen als zum Schlagen. Mit den leichteren Waffen kann viel schneller gefochten werden, alsbald entwickelt sich eine spezielle Art der Waffenführung. 

Um 1650 ist die Fechtkunst bereits hoch entwickelt, Fechtmeister mit kaiserlichen Privilegien reisen durch die Lande und unterrichten Adel und Bürger. Bekannt waren die Marx-Brüder und die Freifechter von der Feder. 

Zwischen 1700 und 1900 erleben Duellwesen und die Fechtkunst ihre Blütezeit.  Wie ein roter Faden zieht sich das Duell durch die Jahrhunderte und hat  maßgeblich die Fechtkunst beeinflusst. Die damals erarbeiteten Techniken gelten weitgehend noch heute und werden mit der klassischen Fechtkunst  weitergeführt.

1.2

Warum Fechten 

Fechten bietet Erholung, Entspannung, Kameradschaft, Spaß und Erfrischung des Geistes und der Seele. Fechten stärkt Werte wie Ehrlichkeit und Genauigkeit.  Fechten fördert Schnelligkeit, Training des Geistes und des Körpers. Erzielt werden eine bessere Koordination, eine Stärkung des Gleichgewichts, der Flexibilität, der Festigkeit, der Ausdauer und des Muskelaufbaus.  Fechter erhalten in hohem Maße den eigenen Körper fit. 

Fechten ist kein Massensport und  wird es auch niemals werden. Fechten ist eine Kunst - Nervenkitzel ohne Risiko. Der elegante Sport in Weiß. 

2. Klassisches Fechten 

2.1

Was ist klassisches Fechten? 

Klassisches Fechten ist eine Kampfkunst mit dem Degen und Florett - kein Leistungssport. Zu betonen ist, das Fechten nicht als militärische Handlung zu verstehen ist. Der klassische Fechter beschäftigt sich nicht mit der Verwendung des Schwertes der Soldaten im Kriege, sondern er verwendet den Degen als zivile Waffe zur Selbstverteidigung auf der Straße oder im Duell. 

Klassisches Fechten basiert auf den Erfahrungen von über 300 Jahren Duellfechtkunst. Angewendet werden Fechttechniken vor 1900. Klassisches Fechten darf nicht verwechselt werden mit olympischem Sportfechten (elektrisches Fechten), szenischem Fechten oder historischem Fechten. 

Klassisches Fechten ist eine Kampfkunst, basierend auf den Techniken des europäischen Duells. Der klassische Fechter ist bestrebt, eine "offene Begegnung" möglichst so zu simulieren, als wenn ein Kampf mit scharfen Waffen stattfinden würde. Er geht grundsätzlich davon aus, das die Waffen geschliffen und spitz sind.  

Der Leitsatz des klassischen Fechtens heißt: "Treffen, ohne selbst getroffen zu werden". Der klassische Fechter bekennt sich zu Höflichkeit, Ehre, Genauigkeit, Technik und Ästhetik; er betrachtet Fechten nicht als Leistungssport (obwohl es sich um eine sportliche Tätigkeit handelt), sondern als Kunst. So ist es sein Ziel, eine ideale Körperhaltung, Gleichgewicht, Proportion, Klarheit der Fechtaktionen und Disziplin zu verkörpern. Klassisches Fechten ist die Rückbesinnung in eine Zeit, in der die Straßen unsicher waren und Adel und Studententum oftmals ihre Ehre zu verteidigen hatten. Klassisches Fechten kann von Personen jeder Altersgruppe ab ca. 12 Jahren betrieben werden. 

Die Waffen sind i.d.R. Florett und Degen, selten Säbel. Der klassische Fechter legt Wert auf geistigen und seelischen Ausgleich, Form und Klarheit der Aktionen.Vor diesem Hintergrund wird das wettkampmäßige Fechten - besonders mit einer elektrischen Trefferanzeige - abgelehnt. Verwendet werden nur Waffen mit klassischen Gefäßen (italienische oder französische Griffe).  Ein Treffer muss deutlich und klar aufkommen, z. B. durch sichtbares Biegen der Klinge oder wirklicher Wahrnehmung des Treffers. Berührungen mit der Waffe - gar nur an einer Falte der Kleidung, werden  nicht akzeptiert bzw. als Treffer gewertet. 

Traditionell sagt der klassische Fechter einen erhaltenen Treffer an. "Touché" - was so viel bedeutet wie "ich wurde berührt". Der Fechter erkundigt sich nicht bei seinem Gegner, ob er getroffen wurde. Selbst wenn der Gegner einen Treffer ansagt, der Angreifer aber meint, nicht wirklich getroffen zu haben, darf er den zugegebenen Treffer nicht für sich in Anspruch nehmen. "Pas de touché" - was so viel bedeutet: nicht einen Hauch. Die bereits zitierte Ehrlichkeit, Ritterlichkeit und Höflichkeit gibt ein Bild vom Charakter des Fechters wieder. Er ist sich selbst verantwortlich. 

Gerade in der heutigen Zeit, in der niemand mehr Verantwortung übernehmen möchte, fördert das klassische Fechten die Sinne für Mut und Ehrlichkeit. Ego und Ehre! Ego - was immer ich tue, ist richtig. Honour - was richtig ist, werde ich tun. 

Mit der Kreuzung der Klingen beginnt ein Drei-Stufen-Prozess: Informationsbeschaffung, Entscheidungsfindung, Handeln. Ein Sprichwort sagt: Angriff ist die beste Verteidigung, aber ein erfahrener Fechter weiß: dem ist nicht unbedingt so. Wer garantiert, dass zum Zeitpunkt des Angriffs nicht auch der Gegner im selben Moment angreift?  Nur wer pariert, schützt sich vor einer Wunde. Somit liegt der Schwerpunkt des fechterischen Handelns nicht ausschließlich im Setzen eines Treffers, sondern in der Abwehr (Parade), welche die eigene Verwundung verhindert. Demnach sind  Angriff und Verteidigung nicht dasselbe.   

2.2

Die Waffen

Zum Erlernen und Üben werden Florette mit ital. oder franz. Griff verwendet. Die Klingen müssen an der Spitze gestaucht sein. Aufgeschraubte stumpfe Spitzen, sog. Arretspitzen, sind nicht zugelassen. Der Durchmesser der Glocke bzw. des Stichblattes beträgt ca. 11 cm.

Für das nachgestellte Duell - das sog. Freigefecht, wird der Degen verwendet. Es sind nur italienische bzw. französische Griffe zugelassen. Die Klingen sind wie beim Florett an der Spitze gestaucht. Der Glockendurchmesser darf 13 cm nicht übersteigen, die Klinge ist wie beim Florett zentrisch mit der Glocke verbunden. Exzentrische Glocken (wie beim elektrischen Sportfechten) sind nicht zugelassen und daher nur im Ausnahmefalle zu verwenden (Materialbeschaffungsprobleme). 

                                                                                      

Klassisches Fechten Passau

 

Regeln für Übung und Freigefecht

 

 

Regel

Anmerkung

Gruß

vor und nach dem Gefecht ist der Gegner, die Sekundanten und der Unparteiische mit der Waffe zu grüßen. Nach dem Gefecht ist zusätzlich der Gegner mit Handschlag (unbewaffnete Hand) zu verabschieden.

 

Waffengang

Treffen, ohne selbst getroffen zu werden.

Der Fechter hat es zu unterlassen, eine Fechthandlung vorzunehmen, bei der er sich selbst bewusst der Gefahr eines Treffers aussetzt. Verboten sind:

Peitschenartige Stöße, Fleché bzw. auf den Gegner zurennen, sprechen während des Waffenganges, Waffenwechsel (rechts-links) während des Gefechts,

das Nachstoßen/Schlagen nach einem erhaltenen Treffer.

Die Fechter gehen davon aus, dass die Waffen scharf bzw. spitz sind und keine

Schutzkleidung getragen wird. Das allgemeines Verhalten auf dem Kampfplatz und die Fechtweise sind auf diese Annahme abzustellen.

Fechtweise

"Linke Hand"  und andere Aktionen

der Einsatz der unbewaffneten Hand zur Parade und Abstützung auf dem Boden (Passata di Sotto)  ist erlaubt.

Wenn beide Fechter einverstanden sind:

der Hieb, jedoch ausschließlich nach einer Parade, ist gestattet.

Körper an Körper, Herumstochern ohne Linie, Hopsen und Herumspringen auf dem Fechtboden ist nicht gestattet.

Entwaffnungen sind erlaubt, sofern es sich um hebelartige Entwaffnungen handelt. Gewalt mit Schmerz ist verboten.

Der Fechter setzt sich zum Ziel, saubere, ästhetische und technisch hochwertige Fechthandlungen durchzuführen.

 

Die Fechter sind ermächtigt, Sondervereinbarungen für Hieb, Entwaffnung und Waffenverlust zu treffen. Der Unparteiische muss solche Vereinbarungen erlauben. Der Fordernde darf auf Sondervereinbarungen nicht bestehen, wenn sein Gegner diese nicht akzeptiert.

 

Trefferanzeige

Jeder Fechter/in ist eine Ehrenperson und sagt Treffer sofort nach Erhalt mit dem Wort "Treffer" oder "Touché" an. Zusätzlich ist die unbewaffnete Hand zu heben.

Anzusagen sind nur Treffer, bei denen es zu einer Klingenbiegung kommt oder die als solche tatsächlich wahrgenommen werden.

 

Angelegte Klingen, Treffer, die ausschließlich in der Fechtkleidung hängen bleiben, Berührungen mit der Spitze und/oder Schneide, die nicht wahrgenommen werden und Schläge mit der Spitze sind keine Treffer und brauchen nicht angesagt werden.

Ist sich der Fechter nicht sicher, ob er einen Treffer tatsächlich erhalten hat, ist er berechtigt, seine Sekundanten zu befragen um anschließend eine Trefferbeurteilung verbindlich abzugeben.

Trefferanzahl

 

Trefferbeurteilung

 

Trefffläche

 

Das Gefecht endet:

1. durch einen Treffer auf den Oberkörper (einschließlich Leiste) und Kopf.

2. nach dem insgesamt 3. Treffer auf  Extremitäten.

3. Wird ein Treffer nach einem Arm/Hand/Fuß/Beintreffer durch Treffer (Nr. 1) gesetzt, endet das Gefecht; zuvor gesetzte Extremitätentreffer werden nicht gezählt.

4. Doppeltreffer werden als solche gewertet. Bei einem Doppeltreffer nach Nr. 1 haben beide Fechter eine Niederlage hinzunehmen.

 5. Hiebe - wenn vereinbart - die mit der Schneide aufkommen, zählen nicht zu den Treffern, die das Gefecht (Nr. 1) beenden.

6. Der gesamte Körper einschließlich des Kopfes gilt als Trefffläche - beim Üben, Lektionieren und im Freigefecht.

Der Fechter ist nicht berechtigt,

einen Treffer zu monieren bzw. nachzufragen, ob er getroffen hat.

 

Wenn der Gegner einen Treffer einräumt, der Angreifer aber der Ansicht ist, er habe nicht getroffen, darf er den eingeräumten Treffer nicht akzeptieren.

 

Das "Punkten", wie es beim elektrischen Sportfechten praktiziert wird, genügt nicht den Anforderungen des Fechtens mit scharfen Waffen. Es ist nicht erlaubt.

 

Die Fechter werden nicht nach Siegen beurteilt. Jeder Fechter hat nach dem Kampf für sich selbst zu entscheiden, wie es ihm im Ernstfalle ergangen wäre - ob er überlebt hätte bzw. Kampfunfähigkeit eingetreten wäre.

Klassisches Fechten wird in Passau nicht als Leistungssport betrieben.

Kampfgericht

 

Kampfleitung

 

 

Unparteiischer

Der Unparteiische leitet die offene Begegnung, das nachgestellte Duell*.

 

Er hat das Gefecht zu unterbrechen, wenn dieses gefährlich oder unübersichtlich für ihn erscheint. Er unterbricht, wenn ein Treffer gefallen ist. Er entscheidet allein über die Gültigkeit des Treffers, wenn beide Fechter sich als getroffen bezeichnen.

Der Unparteiische hat bei Regelverstößen zu ermahnen und im Wiederholungsfalle den Fechter von den Kampfhandlungen auf Dauer auszuschließen.

Er prüft die Waffen und entscheidet, ob diese für das Freigefecht tauglich sind (Gewicht, Spitze, annähernd baugleich).

Kampfplatz

es wird kein Kampfplatz abgesteckt.

 

Die Fechter sind für die Beschaffenheit des Kampfplatzes/Bodens selbst verantwortlich.

Waffen

Florett

für Übung und Unterricht wird das handelsübliche Sportflorett verwendet. Gestattet sind nur italienische und französische Griffe. Die Klinge muss eine gestauchte Spitze aufweisen. Aufgeschraubte Spitzen jeglicher Art sind nicht erlaubt.

 

Offene Begegnung/Freigefecht/Duell

 

Degen + Hofdegen (Smalsword)/ital. Duelldegen

für die offene Begegnung, das nachgestellte Duell,  das sog. Freigefecht, werden ausschließlich Waffen mit Dreikantklingen verwendet. Der Durchmesser der Glocke/des Stichblattes/der Schale soll 13 cm nicht übersteigen. Waffen, deren Klinge zentrisch durch die Glocke/Stichblatt geführt wird, sind zu bevorzugen.

Das Gewicht der Waffe  für das Freigefecht sollte nicht unter 500 Gramm liegen.

Zugelassen sind nur italienische oder französische Griffformen; Pistolen- oder ähnliche Griffe sind nicht erlaubt.

Die Klingenspitze kann mit einer Schutzkappe (Gummi oder Plastik) oder einer Klebebandumwicklung "entschärft" werden.

 

 

 

Den Fechtern ist die Form und Ausführung der Waffe bzw. des Gefäßes freigestellt. Die Waffen sollten jedoch annähernd identisch sein. Parierstangen, Bügel und dergleichen sind grundsätzlich gestattet, sofern es sich um Repliken alter Waffen handelt. Fantasiegeräte sind nicht erlaubt.

 

Als Klingen werden handelsübliche Sportdegenklingen verwendet. Die Spitze muss gestaucht sein, aufgeschraubte Spitzen jeglicher Art sind nicht erlaubt.

Fecht-

kleidung

die Fechtkleidung ist entweder rein weiß oder entspricht einem kompletten Fechtmeisterschutzanzug.

Weiße Fechtbekleidung hat den höchsten Sicherheitsvorschriften (wie sie für das elektrische Sportfechten gelten), zu entsprechen.

 

 Sekundanten

Aufgaben der Sekundanten im Besonderen:

 

*sofern kein Unparteiischer den Kampf leitet, übernehmen die Sekundanten die Aufgaben des Unparteiischen

1. Vereinbarung mit der gegnerischen Partei über die Art des Waffenganges und die zur Anwendung kommenden Waffen

2. Vereinbarung über besondere Aktionen (z.B. Hieb, Parade mit der linken Hand, Entwaffnung u.ä.)

3. Beurteilung von Treffern nach Rückfrage des Fechters

4. Vor dem Kampf: Übergabe der Fechtmaske an den Fechter, nachdem dieser seinen Gegner mit der Waffe gegrüßt hat,

nach dem Kampf: Übernahme der Fechtmaske, damit der Fechter seinen Gegner ohne Maske grüßen im ihm die rechte Hand reichen kann.

5. Unterbrechung des Kampfes bei einer Notsituation - wenn der Unparteiische die Gefahr offensichtlich nicht erkannte - mit dem Ruf: Halt - Gefahr!


                                                                     

                                      Hofdegen                franz. Duelldegen            italienischer Duelldegen    franz. Duelldegen

                                     Small Sword                    mit Brille                           Schalenrapier           Glockendegen

                                                           diese Waffen verwenden wir für die "freie Begegnung"

                                                                        

                                         Unterricht im klassischen Fechten (Degen und Hofdegen) erteilt: 0171-2024105

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Ein Aufsatz über das klassische Fechten

 

Klassisches Fechten

 

Was ist klassisches Fechten?

Das klassische Fechten kann als letzte Stufe der Entwicklung der europäischen Fechtkunst angesehen werden. Die Fechttechniken entstanden in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Für das klassische Fechten werden Degen, Säbel und Florett verwendet. Die Fechttechniken basieren auf zwei Grundschulen, der italienischen und der französischen Schule. Die beiden Methoden unterscheiden sich in ihrer mentalen Einstellung. Während die französische Schule schon in der 1. Hälfte des 19. Jh. den Weg des sportlichen Fechtens eingeschlagen hat, hielt die italienische Schule noch bis Ende 1800 an den traditionellen Techniken und dem Glockenrapier in leichterer Ausführung fest.

Die italienische Schule ist nicht so verspielt und hat für alle Aktionen immer den ernsten Hintergrund - das Duell - vor Augen. Der Ernsthaftigkeit des Fechtens entspricht auch die Waffe. Während in Frankreich nach 1700 der Hofdegen als Duellwaffe mit seinem verspielten Design und der leichten Bauweise viele Aktionen des Übungsfechtens (Florett) beinhaltet, war die italienische Waffe meist schlicht und klar in ihrer Bauform.

Das spielerische Fechten mit dem Hofdegen funktioniert nur dann, wenn auch der Gegner dieses Spiel beherrscht. Die italienische Schule hingegen ist klar, einfach und will das Duell schnell und wirksam beenden.

Das klassische Fechten in seiner Form ist das Erlernen von Fechttechniken, die im ernsten Kampf zu verwenden sind. Treffen, ohne selbst getroffen zu werden, das ist das Ziel des Fechters. Dafür benötigt er eine perfekte technische Ausbildung in allen Aktionen, die zum Ziel führen. Das Ziel ist klar definiert: Den Gegner möglichst schnell kampfunfähig machen. Die Tötung steht nicht im Vordergrund, wird aber billigend in Kauf genommen.

Klassisches Fechten fördert das Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und die Höflichkeit und ebenso gute Manieren und ein hohes Maß an Etikette. Kurzum, Geist und Körper werden - bei regelmäßigem Fechten - trainiert und bleiben lange fit.

 

Besonders die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Zeit, in der die Fechtkunst ihre Blüte hatte. Auch sind die eindeutigen Unterschiede zwischen der italienischen und französischen Schule in dieser Zeit am besten zu erkennen. Die Codes und Regeln für die Duelle erreichen ihren Höhepunkt. Es gab auch Duelle zwischen Fechtmeistern der jeweiligen Schulen mit dem Ziel herauszufinden, welche denn nun die bessere sei. Hierbei stellte sich heraus, dass die italienische Schule mehr zum Zweikampf taugte als das spielerische Fechten der französischen Lehrmethode.

 

Unabhängig davon war zumindest bis zur Mitte des 19. Jh. auch die Ausbildung mit dem Florett auf den Ernstfall ausgerichtet. So wurden immer noch die Aktionen der Entwaffnung, der Parade mit der unbewaffneten Hand und ggf. auch Schläge mit dem Knauf gelehrt. Vereinzelt wurden noch Aktionen mit dem Dolch in der unbewaffneten Hand geübt.

Alte, bewährte Techniken sind selbstverständlich nicht schlagartig als nicht tauglich oder unmodern betrachtet worden. Erst in der 1. Hälfte des 20. Jh. wurde das Fechten - zunächst eher zögerlich - zu dem, was es heute ist bzw. wie es aktuell als elektrisches Sportfechten betrieben wird.

 

Bis zur Wiederentdeckung des klassischen Fechtens war es ein langer Weg - vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jh. . Auch die gesellschaftlichen Ereignisse haben Auswirkungen auf das Fechten. Spätestens nach den Kriegen gegen Napoleon war es kein Vorrecht des Adels mehr, eine Waffe zu tragen. Das aufstrebende Bürgertum kopierte viele Gebräuche der edlen Gesellschaft, eben auch das Duell. Da das Fechten jedoch mit einer intensiven Ausbildung verbunden war, erlebte die Duellpistole vor allem beim Bürgertum ihre Blütezeit.

Rückblickend betrachtet, hatte das Glockenrapier im späten 16. Jh. seine Blütezeit, im 17. Jh. spricht man sogar vom "goldenen Zeitalter" dieser Waffe. Danach begann die Entwicklung des Hofdegens. Das adelige Leben spielte sich mehr in den Schlössern und Gütern ab. Dafür bedurfte es nicht mehr des doch sehr sperrigen Glockenrapiers. Mit der nun sehr leichten Waffe entstanden neue Techniken, die im Wesentlichen bis zu Beginn des 20. Jh. gelehrt wurden. Erst die Einführung des elektrischen Fechtens machte aus dem Duellfechter einen Sportfechter. Nun ging es nicht mehr darum, im Kampf unversehrt davon zu kommen, sondern vielmehr darum, möglichst viele Punkte zu sammeln.

Die Geschichte des "Sportfechtens" ist nur etwa 90 Jahre alt. Mit dem Einführen von sportlichen Regeln, die überwiegend dem Ablauf von Sportveranstaltungen dienen, verlor das klassische Fechten seine Bedeutung. Seit der Gründung der Fédération Internationale d´Escrime (FIE) im Jahre 1913 ist das Fechten ständig zu Gunsten von Athletik und Schnelligkeit und für die Interessen der Sportverbände verändert worden. Mit Einführung der elektrischen Meldegeräte zur Trefferbeurteilung erfuhr die Fechtkunst noch drastischere Veränderungen, ja einige meinen sogar, die Einführung des elektrischen Fechtens bedeute den Todesstoß für die Fechtkunst.

Derzeit ist das Fechten ein Wettkampfsport, verbunden mit dynamischen und explosiven Aktionen für Menschen mit athletischer Leistung. Kraft, Ausdauer und Geschwindigkeit bestimmen das Handeln des Fechters. Sein Ziel ist es nun, als Erster zu treffen. Was unmittelbar danach passiert, ist ihm nicht wichtig. So nimmt er es auch billigend in Kauf, mitgetroffen zu werden.

Wie unterscheidet sich klassisches Fechten vom modernen Sportfechten?

Klassisches Fechten ist eine Kampfkunst. Es wird so gefochten, als ob die Klingen scharf wären. Daher werden nur Techniken gelehrt und angewendet, die für ein Duell brauchbar erscheinen und Sinn machen. Diese Techniken wurden auf dem Duellplatz entwickelt und somit liegt der Schwerpunkt der Ausbildung darin, im Kampf auf dem Gelände zu überleben.

Modernes elektrisches Fechten ist ein Sport und wird als solcher gelehrt. Modernes Fechten ist keine Kampfkunst. Die modernen Techniken ermöglichen ein Spiel, eine sportliche Betätigung und halten den Realitäten eines Zweikampfes mit scharfen Waffen nicht stand. Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt eindeutig im trainieren von Kraft und Schnelligkeit, aber auch dem Wissen um die Sportregeln. Wer das Regelwerk beherrscht, kann ohne Tätigkeit mit der Waffe dem Gegner durchaus "Treffer" diktieren. Die Vielfalt der Regeln des modernen Fechtens verlangen ein Anpassen an diese und man muß ständig darauf achten, keine Regeln zu verletzen. Das nämlich wird mit Strafpunkten (Treffern) geahndet. Das moderne Fechten wird nicht mehr als kriegerische Handlung gelehrt. Nach diesen Regeln und den gebräuchlichen Techniken einen Gang mit scharfen Waffen zu fechten, ist eigentlich unmöglich und wäre selbstmörderisch.

Die Rückbesinnung

In Deutschland dominiert das elektrische Fechten. Fechtinteressenten, die sich dem Regelwerk der Sportverbände widersetzen, werden oft als Sonderlinge betrachtet und nicht wirklich ernst genommen. Daher wird klassisches Fechten in nur wenigen Vereinen praktiziert. Die Befürworter des klassischen Fechtens in Deutschland hoffen auf eine Renaissance der Fechtkunst, auf eine Wiederbelebung von Fechttechniken und Etikette auf hohem Niveau. In Amerika gibt es mittlerweile einen Dachverband für klassisches Fechten. In Frankreich, Spanien und Italien wird es verstärkt betrieben.

Die Waffen

Die Fechtwaffen für das klassische Fechten sind weitgehend identisch mit den Sportwaffen. Allerdings sind Pistolengriffe und aufgeschraubte Spitzen nicht erlaubt. Verwendet werden Florette und Degen mit italienischem oder französischem Griff. Daneben Hofdegen und Waffen des späten 18. Jahrhunderts.

Das Florettfechten stellt eine verfeinerte Technik der alten italienischen Schule dar. Es macht die Kunst des Fechtens noch perfekter. Einige Konzepte entstammen jedoch mehr der Theorie als der Praxis. Das Florettfechten wurde zu einer künstlichen Wissenschaft und verliert so praktische kämpferische Aspekte, was wiederum Anfang des 19. Jahrhunderts in Frankreich zu einer neuen Schultechnik für das Degenfechten führte.

Der Degen - das Schwert - ist die Waffe, die für Duelle verwendet wird. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Begegnungen eher selten. Beim klassischen Fechten werden inzwischen wieder vereinzelt scharfe Dreikantfangspitzen verwendet, zuletzt bis etwa 1950. Diese Spitzen werden auf die Klingen aufgeschraubt oder aufgeschweißt. Bei einem Treffer gleitet die Klinge nicht am Fechtanzug ab, sondern haftet. Das Fechten mit solchen Klingen ist sehr realistisch, gibt das Gefühl, eine scharfe Waffen zu führen. Die modernen Fechtanzüge gewähren einen sicheren Schutz vor Verletzungen, im übrigen sind die Fangspitzen nur einige Zehntel Millimeter lang. So ist auch die Trefferbeurteilung deutlich einfacher (beim klassischen Fechten zählen nur Treffer, die eine sichtbare Biegung der Klinge erkennen lassen oder als Treffer vom Fechter wirklich wahrgenommen werden).

Es gibt Turniere - auch bei den klassischen Fechtern. Häufig werden diese jedoch ohne Trefferzählung durchgeführt. Der Fechter soll nach dem Kampf für sich selbst entscheiden, ob er unbeschadet, mit leichten Blessuren, schwerer Verletzung oder gar nicht vom Kampfplatz gegangen wäre.

Passau, im Dezember 2010

 

4. Treffen der klassischen Fechter in Passau

 Fechten – die offene Begegnung. Das nachgestellte Duell.

 

Alle Fechter, Damen und Herren, die mehr möchten als ein „Licht anmachen“, die ohne elektrische Trefferanzeige mit klassischen Waffen „duellieren wollen“, laden wir ein, zu unserem 4. „Tag der klassischen Fechtkunst“ nach Passau zu kommen.

 

Vormittag:      Klassische Fechtlektionen, auch Einzelunterricht, u.a. mit Hofdegen sowie Übungsgefechte

Nachmittag:   Zweikämpfe mit Sekundanten  (Hofdegen 18. Jh., französischer Duelldegen 19. Jh., ital. Duelldegen 18. Jh.)

 

Teilnahmeberechtigt:

 Akzeptiert werden alle Fechter(innen), die Interesse an der Kunst des Fechtens haben und nicht nur einen Treffen setzen wollen. Unser Leitsatz „Treffen, ohne selbst getroffen zu werden“ muss voll akzeptiert werden. Das Regelwerk für klassisches Fechten finden Sie auf unserer Homepage.

 

Termin:               Samstag, 24. September 2011

 Ort:                            Passau, Jahnstraße 3 – Sportplatz des TV Passau 1862

                                   Gefochten wird im Freien, bei schlechtem Wetter in der Sporthalle

                                    Parkhaus unmittelbar neben dem Vereinsgebäude

 Zeit:                           Beginn  9:30 Uhr, Ende ca. 16:00 Uhr

                                   Nach dem Fechten findet ein Erfahrungsaustausch bzw. eine gemütliche Runde mit Imbiss in unserem historischen Turm statt.

Teilnehmer                Zusagen bzw. Bestätigungen sind per mail erfolgt.

Meldegeld:                10,00 Euro (incl. Getränke nach Wahl und Kuchen).  Bitte Imbiss für  Mittagstisch selbst mitbringen.

Ausrüstung:               

siehe Internet (Regeln für klassisches Fechten). Waffen für die „Duelle“ werden ggf. gegen Leihgebühr  zur  Verfügung  gestellt. Für Fechter, die wirklichkeitsnah fechten möchten: es stehen Waffen mit Dreikant-Fangspitzen zur Verfügung; eine Seltenheit in Deutschland – Fechten wir vor 70 Jahren.

 

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Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am  10.01.2012